Biokunststoff als unbedenkliche Alternative? Lieber nicht!

Biokunststoff mag erst einmal vielversprechend klingen, suggeriert es doch, dass etwas natürlichen Ursprungs ist. Vielen Verbrauchern erscheint das auf den ersten Blick umweltfreundlich und nachhaltig. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Biokunststoff nicht unbedingt unbedenklicher ist als konventioneller, erdölbasierter Kunststoff – weder für die Gesundheit noch für die Umwelt.

Definition von Biokunststoffen

Die Probleme mit dem Biokunststoff fangen bereits bei der Begriffsdefinition an. Eine konkrete Definition gibt es nicht, daher können Unternehmen den Begriff Bioplastik relativ frei verwenden, um damit ihre Ware zu bewerben und umweltbewusste Endkunden anzusprechen.

Inwieweit sich die Produkte in der Natur – zumindest theoretisch – zersetzen können, hängt jedoch nicht nur vom Ausgangsstoff ab, sondern von der chemischen Struktur des Kunststoffs.

Wissenschaftliche Untersuchung der Goethe-Universität Frankfurt

Um die Auswirkungen von Bioplastik auf Umwelt und Gesundheit herauszufinden, müssen die Kunststoffe auf chemischer Ebene untersucht werden. Das haben die Wissenschaftler des Frankfurter Instituts für sozial-ökologische Forschung, des Mainzer Max-Planck-Instituts für Polymerforschung und der Goethe-Universität kürzlich getan. Dabei wurden 43 Bioplastik-Produkte betrachtet, die bereits erhältlich sind, z.B. Einwegflaschen, Trinkflaschen, Obst- & Gemüseschalen, Müllsäcke und Weinkorken. Bei Laboruntersuchungen wurden in einem Großteil der Proben giftige Inhaltsstoffe nachgewiesen.

Aufgrund der Ergebnisse gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Biokunststoffe keineswegs weniger bedenklich sind als erdölbasierte Kunststoffe. Der Anteil an Produkten aus Biomaterialien, der schädliche Chemikalien beinhaltet, ist ähnlich hoch wie bei Produkten aus konventionellem Plastik. Die Endprodukte waren dabei oftmals giftiger als die Ausgangsstoffe, was an den Zusätzen (Stabilisatoren etc.) liegen könnte.

Bei der Beurteilung der Umwelt- und Gesundheitsrisiken sollte stets die Ökobilanz des gesamten Lebenszyklus eines Produkts betrachtet werden, nicht nur der Ausgangsstoff, aus dem es hergestellt wird. Auch Faktoren wie z.B. Feinstaub- und CO2-Emissionen, Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und Kreislauffähigkeit spielen dabei eine Rolle. Nur weil der Ausgangsstoff natürlichen Ursprungs ist, muss das Produkt nicht zwangsläufig gut für die Umwelt sein.

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Simona Jurczinski
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