Verpackungsmusik - wenn Kartons erklingen

Dass es zum Musizieren nicht zwingend Klavier, Gitarre oder Geige bedarf, haben kürzlich zwei Schülerin aus Malchow, Mecklenburg-Vorpommern, bewiesen. Mit simplen Umzugskartons haben Hanna Schnitzer (15) und Sophie Adel (15) am diesjährigen Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ teilgenommen – und das überaus erfolgreich! Kürzlich hatten wir die Gelegenheit, mit den jungen Damen ein aufschlussreiches Interview zu führen.

Hildebrandt: Wie seid ihr beide eigentlich zur Musik gekommen?

Hanna: Sophie hat bereits mit 5 und ich mit 9 Jahren angefangen Klavier zu spielen. Seitdem haben wir mit viel Freude und Spaß Klavierunterricht bei unserer Lehrerin Frau Kaul, die uns auch während der Vorbereitung und Auftritte bei „Jugend musiziert“ betreut hat.

Hildebrandt: In den vergangenen Monaten habt ihr mit dem Song „Groove ‘n‘ Move – Duo für zwei Umzugskartons“ für Aufsehen gesorgt. Welcher Gedanke steckt hinter der ausgefallenen Idee, mithilfe handelsüblicher Kartons Musik zu machen?

Sophie: Wir denken, es geht einfach darum, dass man auch mit einfachsten Mitteln Musik machen kann. Es ist mal etwas ganz Anderes, erregt viel Aufsehen und bringt Abwechslung und Spaß beim Üben. Wir finden, dass Markus Michael Schneider, der Komponist von „Groove ‘n‘ Move“, seine kreativen Ideen sehr gut für andere Musiker umgesetzt und zu Papier gebracht hat. So wurde für uns aus den Stücken, die anfangs „nur“ für „Jugend musiziert“ gedacht waren, eine Leidenschaft zur Neuen Musik.

Hildebrandt: Wie haben eure Mitschüler reagiert, als sie von dem eher befremdlich klingenden Einfall erfahren haben?

Hanna: Viele waren erst einmal skeptisch, weil sie sich nichts darunter vorstellen konnten. Oft haben sie nachgefragt, was wir überhaupt mit den Kartons anstellen. Aber nach dem ersten Hören waren die meisten hell auf begeistert.

Hildebrandt: Wer musiziert, tut dies in der Regel anhand vorgegebener Noten und Akkorde. Töne, die ein Karton hervorbringt, können jedoch nicht in Noten gefasst werden. Wie konnte dieses knifflige Problem gelöst werden?

Sophie: Das wurden wir schon oft gefragt. Eigentlich ist das aber ganz simpel – der Komponist hat einfach den verschiedenen erzeugten Tönen unterschiedliche Zeichen zugeordnet. So mussten wir anhand einer Erklärung die Bedeutung der Noten lernen. Das war anfangs etwas schwer, aber wir haben das Prinzip schnell verstanden. Während der langen Zeit, in der wir uns auf „Jugend musiziert“ vorbereitet haben, hatten wir sehr viel Spaß beim praktischen Umsetzen der Noten.

Hildebrandt: Wodurch zeichnet sich ein geeigneter, quasi besonders „musikalischer“ Karton aus?

Hanna: Auf jeden Fall sollte der Karton stabil sein, das heißt er braucht eine harte Pappe. Für die Auftritte haben wir die Kartons noch zusätzlich mit Klebe von innen verstärkt. Damit man den Karton gut drehen kann und man keine Rückenschmerzen bekommt, sollte der Karton außerdem eine gewisse Größe haben.

Hildebrandt: Die Jury des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ zeigte sich von eurem Auftritt restlos begeistert. Das Ticket zum gleichnamigen Contest auf Bundesebene war euch somit sicher. Wie lief der Auftritt auf der großen Bühne?

Sophie: Wir waren sehr aufgeregt, denn letztendlich hängt wirklich alles von diesem einen Auftritt ab. Das ist echt große Kopfsache, denn in diesem Moment gibt es nur unsere Stücke und uns zwei. Das heißt also Konzentration auf höchstem Niveau und vollstes Vertrauen in den Partner. Der Auftritt an sich ist uns gut gelungen, aber kurz vor dem Ende gab es dann leider einen kleinen Patzer. Nervlich waren wir hinterher echt fertig, sind aber trotzdem mit uns und unserer Leistung sehr zufrieden.

Hildebrandt: Wie reagiert das Publikum, wenn statt Saiten-, Blas- oder Tasteninstrumenten plötzlich Kartons auf der Bühne „erklingen“?

Hanna: Das Publikum ist immer interessiert und hört gespannt zu. Wir spüren jedes Mal, dass die Leute bei besonderen Aktionen, wie zum Beispiel dem Kartonwerfen, begeistert sind. Spätestens am Ende, wenn wir das Stück mit „Jetzt hamma´s g´schafft!“ abschließen, haben eigentlich alle ein Lächeln im Gesicht und auch wir zwei freuen uns natürlich, wenn wir das Publikum von uns überzeugen konnten.

Hildebrandt: Welche musikalischen Pläne habt ihr für die Zukunft? Womit werdet ihr uns noch überraschen?

Sophie: Musik bringt uns in jeder Form viel Freude, daher wollen wir auch weiterhin zusammen musizieren. Außerdem sind wir auch bestrebt, in den kommenden Jahren unsere musikalischen Leistungen weiter zu verbessern. Überraschungen bleiben Überraschungen und wir hoffen, dass die Musik immer etwas Neues für uns bereithält.

Wie Verpackungsmusik klingt, erfahren Sie hier: „Groove ‘n‘ Move – Duo für zwei Umzugskartons“ (Link: www.youtube.com) von Markus Michael Schneider.

Die Paul Hildebrandt AG wünscht Hanna und Sophie auch weiterhin viel Spaß und Erfolg mit ihrer „packenden“ Musik. Unser herzlicher Dank gilt ebenso Frau Claudia Kaul von der Kreismusikschule Müritz, die den Kontakt hergestellt hat. Bei Fragen zu Unterricht und Auftritten der KMS Müritz erreichen Sie Frau Kaul per E-Mail an kms-mueritz-malchow@online.de.

Das Interview wurde geführt von Tobias Kemper.