Trockenmittel – kleine Beutel mit großer Wirkung

Wer kennt sie nicht, die kleinen Beutelchen mit Aufdrucken wie „Throw away, do not eat“, die zahlreichen Neuwaren beigelegt sind? Was drin steckt, steht drauf: Silica Gel – zu Deutsch Silika- oder auch Kieselgel. Doch was hat es damit eigentlich auf sich?

Der Beutelinhalt – je nach Körnung ein feines Pulver oder kieselartige Kügelchen – besteht zu 98 Prozent aus Siliziumdioxid (SiO2). Der offenporige Stoff verfügt über eine äußerst große innere Oberfläche von 600 bis 800 m² pro Gramm. Silikagel eignet sich daher hervorragend zur Aufnahme und Bindung von Feuchtigkeit. Ein Trockenmittel also – doch was hat dieses in Handtaschen, Koffern oder Schuhkartons verloren?

Wieso Trockenmittel erforderlich sind

Der Einsatz von Trockenmitteln legt unweigerlich den Verdacht nahe, dass Feuchtigkeit im Spiel ist. Diese ist als Wasserdampf in der Umgebungsluft enthalten. Der tatsächliche Wassergehalt ist temperaturabhängig – mit steigender Temperatur nehmen auch die Aufnahmefähigkeit der Luft und damit die Luftfeuchtigkeit zu. Bei einem anschließenden Temperaturabfall unter den sogenannten Taupunkt kommt es unweigerlich zur Entstehung von Wasserdampfkondensat, auch Kondens- oder Schwitzwasser genannt. Lange Transportwege zu Land, Wasser oder in der Luft unterliegen ebensolchen Temperaturschwankungen und begünstigen somit die Kondenswasserbildung innerhalb und außerhalb von Verpackungen. Die Folgen: Aufquellen und Schimmelbefall von Kartonagen und Füllmaterialien. Darüber hinaus können Etiketten und Kennzeichnungen unbrauchbar werden. Doch nicht nur die Verpackung wird in Mitleidenschaft gezogen, auch feuchtigkeitsempfindliche Transportgüter können negativ beeinflusst werden. So drohen Geschmacksveränderungen bei Lebensmitteln, Fäulnis und Pilzbefall, unangenehme Gerüche, Korrosion metallischer Oberflächen oder das Verblassen von Farben.

Präventiver Einsatz von Trockenmitteln

Sowohl in Containern, Kisten und Umverpackungen werden daher präventiv Trockenmittel eingesetzt, um die Umgebungsluft zu entfeuchten. Beispielsweise können die oben genannten Silikagel-Beutelchen 36 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit adsorbieren. 10 g Silikagel sind somit in der Lage, bis zu 3,6 g Kondenswasser bzw. Luftfeuchtigkeit an ihrer Oberfläche anzulagern. Die orangefarbenen Kügelchen verfärben sich nach Feuchtigkeitsaufnahme grünblau. Die Mindestaufnahmefähigkeit von Trockenmitteln ist übrigens in der DIN 55 473 definiert. In der Norm werden des Weiteren auch Werkstoffe, Verpackungseinheiten, Prüfverfahren und die richtige Kennzeichnung geregelt. Neben Silikagel werden auch gesinterter Trockenton (pulverförmige bis körnige Tonerde) und granulierte Verbindungen aus Kalziumchlorid und Stärke als hochaktive Adsorptionsmittel eingesetzt. Während die beiden erstgenannten Trockenmittel hauptsächlich in Umverpackungen eingesetzt oder Produkten beigelegt werden, findet Kalziumchlorid in größeren Raumvolumen wie etwa Containern Verwendung. Je nach Bedarf sind verschiedene Beutelgrößen aller Trockenmittel verfügbar.

Übrigens: Auch wenn der Verpackungshinweis „Do not eat, throw away“ abschreckend wirkt, ist Silikagel völlig ungiftig. Der Aufdruck dient lediglich dazu, um eine Verwechslung mit Lebensmitteln zu verhindern – denn Silikagel ist auch für den Lebensmittelbereich zugelassen. Wäre das Trockenmittel gesundheitlich bedenklich oder gar giftig, würden die Warnhinweise deutlich drastischer ausfallen.